Seminar zum Reformationsfest in Bad Blankenburg

Gestern machte ich mich auf den Weg ins 640 km entfernte Bad Blankenburg, zum Haus der Evangelischen Allianz.  Die Autofahrt ging ohne irgendwelche Probleme vonstatten, bei durchgehend sonnigemWetter. Im Radio, das ich nur eine zeitlang anhatte, tönte währenddessen von unterschiedlichen Sendern eine schwer erträgliche Mischung über das „lustige“ Dämonenfest Halloween und den Reformationstag, mit dem weltliche Journalisten und auch viele liberale Theologen nicht wirklich etwas anfangen können. Für Journalisten hat dieser Tag einfach Luthers „neue Lehre gegen eine verknöcherte Kirche“ zum Inhalt, während liberale Theologen sich in dem üblichen Emanzipationsgeschwätz gefallen, in welchem „Reformation“ letztlich nur zu einem Signalwort für die eigenen politischen Ansichten wird. Keiner wies zum Beispiel einfach mal daraufhin, daß Reformation für Luther bedeutete, durch das wiederentdeckte Wort Gottes in eine neue Beziehung zum lebendigen heiligen Gott zu treten, motiviert aus der Frage „Wie kann ich sündiger Mensch vor IHM im Gericht bestehen?“/“Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“. Und daß die die Antwort Luthers nicht seine eigene, schon gar nicht humanistisch-psychologische oder „spirituelle“ war, sondern ein Ergebnis des vollständigen Ernstnehmens der Heiligen Schrift. Die Reformation hat nicht den „emanzipierten Menschen“ auf den Thron gesetzt, sondern Gottes Wort Gottes Wort sein lassen und von daher Jesus Christus als Erlöser ins Zentrum allen Denkens und Handelns gesetzt.

Darum geht es auch bei diesem Seminar.  Die Bibelarbeiten und Vorträgen drehen sich rund um das Thema „Der Christ und gute Werke“.
Das Programm ist hier zu finden.

Gestern abend fand der Eröffnungsvortrag statt. Nocheinmal wurde mir deutlich, wie tief Luthers Einsicht auch zu diesem Bereich war, allein dadurch, daß er die Heilige Schrift nicht hochmütig kritisierte, sondern vollständig ernstnahm.

Ein Zitat blieb mir besondern im Kopf, es stammt aus Luthers Schrift „Von den guten Werken“:

„Umgekehrt, wer mit Gott nicht eins ist oder daran zweifelt, der fängt an, sucht und sorgt, wie er doch noch genugtun und Gott mit vielen Werken bewegen wolle. Er läuft nach St. Jakob, nach Rom, nach Jerusalem, hierhin und dahin, betet die St.-Brigitten-Gebete und dies und das, fastet an dem und an diesem Tag, beichtet hier, beichtet da, fragt diesen und jenen und findet doch keine Ruhe und tut das alles unter großer Beschwer, Verzweiflung und Unlust des Herzens, so daß auch die Schrift solche guten Werke auf hebräisch nennt »awehn und amal«, auf deutsch »Mühe und Arbeit«. Dazu sind’s keine guten Werke, sondern alle verloren. Schon viele sind darüber toll geworden und vor Angst in allen Jammer gekommen.“

Sollte dies nicht eine Mahnung hinsichtlich manchen „spirituellen“ Programmes oder Seminars sein, zu dem auch in unserer Kirche eingeladen wird (von deren Vermischungen mit Esoterik und Okkultismus mal ganz abgesehen)? Steht hier nicht oft genau dies im Hintergund, was Luther kritisiert – der unbekehrte religiöse Mensch, der eben noch nicht zu Christus gefunden hat, beruhigt sich in religiösen „Übungen“, über die Paulus im Kolosserbrief 2,23 ein eindeutiges Urteil fällt:
„…die zwar einen Schein von Weisheit haben durch selbst erwählte Frömmigkeit und Demut und dadurch, dass sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch.“

Darum wird es auch heute weiterhin gehen. Ich bin gespannt auf den heutigen Tag.

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